Ein intelligentes Netz

Die Energiewende braucht eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur. Deshalb müssen die Leitungen für Strom und Gas ausgebaut und das gesamte System flexibler werden. Wenn die deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet sind, übernehmen vor allem erneuerbare Energien aus dem Norden und Osten Deutschlands die Stromerzeugung. Im Süden des Landes wird diese Energie gebraucht. Dort stehen die meisten Kernkraftwerke, leben viele Menschen und sind große Industriebetriebe angesiedelt. Neue Stromautobahnen mit besonders effizienter Technik sollen deshalb Windstrom aus Nord- und Ostdeutschland direkt in den Süden transportieren.

Das deutsche Stromnetz ist 1,8 Millionen Kilometer lang

Wo das Stromnetz ausgebaut wird

Zweiter Treiber des Netzausbaus in Deutschland ist der europäische Binnenmarkt für Energie. Damit Strom in ganz Europa ungehindert fließen kann und für die Verbraucher günstiger wird, braucht es eine starke Infrastruktur in den Ländern und über die Landesgrenzen hinweg. Die europäischen Übertragungsnetzbetreiber legen dazu alle zwei Jahre einen gemeinsamen Netzentwicklungsplan vor. Alle deutschen Vorhaben sind darin enthalten .

Die Energiewende ist Deutschlands ‚Man to the moon‘-Projekt.

Frank-Walter Steinmeier, Bundesaußenminister, 2015

Welche Stromleitungen es in Deutschland braucht, ermitteln die verantwortlichen Netzbetreiber in einem eigenen Verfahren, bei dem sie 10 bis 20 Jahre vorausschauen. Ihre Vorschläge prüft eine staatliche Behörde, die Bundesnetzagentur, in einem mehrstufigen Prozess unter intensiver Beteiligung der Öffentlichkeit. Sie wägt im Dialog ab, welche Lösung den Bedürfnissen von Menschen, Umwelt und Wirtschaft am besten gerecht wird.

Wie ein Smart Grid funktioniert

Vereinfachte Darstellung von Akteuren, Infrastruktur und Kommunikationswegen

Auch das Verteilnetz muss für die Energiewende fit gemacht werden. Ursprünglich war es nur für die Feinverteilung des Stroms zu den Verbrauchern gedacht. Es funktionierte wie eine Einbahnstraße. Heute speisen fast alle Solaranlagen und viele Windturbinen ihren Strom in das Verteilnetz ein. Was vor Ort nicht gebraucht wird, fließt in die Gegenrichtung. Außerdem schwankt die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien witterungsbedingt. Bei Sonnenschein erzeugen Solaranlagen viel Strom, bei Bewölkung sinkt ihre Leistung schnell ab. Damit die Verteilnetze auch bei unsteter Produktion stabil bleiben, müssen sie zu intelligenten Netzen weiterentwickelt werden. In einem solchen „Smart Grid“ kommunizieren alle Akteure miteinander: von der Erzeugung über den Transport, die Speicherung und die Verteilung bis hin zum Endverbraucher. Stromerzeugung und -verbrauch lassen sich so besser aufeinander abstimmen und kurzfristig anpassen.