Bei so viel Wind- und Sonnenstrom kann die Versorgung doch nicht mehr sicher sein?

Die Deutschen können sich darauf verlassen, auch in Zukunft verlässlich Strom zu bekommen. Die Energieversorgung in Deutschland zählt weltweit zu den besten. In den 8.760 Stunden eines Jahres fällt der Strom durchschnittlich nur dreizehn Minuten aus . Dieser Wert hat sich in den vergangenen Jahren trotz des steigenden Anteils an Wind- und Sonnenstrom sogar verbessert.

Stromausfälle sind in Deutschland sehr selten

Durchschnittliche Unterbrechungsdauer der Stromversorgung in Minuten, 2013

Stromausfälle sind selten auf Schwankungen in der Stromproduktion zurückzuführen. Meist sind sie von außen oder durch menschliche Fehler verursacht. Das war auch beim letzten größeren Blackout in Teilen Deutschlands am 4. November 2006 der Fall. Ursache für den stundenweisen Stromausfall war die gezielte Abschaltung einer Leitung. Das führte zu einer Überlastung anderer Leitungen und zu einer Kettenreaktion im europäischen Stromnetz. Seit diesem Ereignis sind die Sicherheitsmechanismen in Deutschland und den europäischen Nachbarländern noch weiter verbessert worden.
Um Engpässe zu vermeiden, hat Deutschland beispielsweise eine feste Reserve an zusätzlichen Kraftwerken eingerichtet. Sie sind besonders in den Wintermonaten wichtig. Denn zu dieser Jahreszeit ist der Verbrauch besonders hoch, und die deutschen Windenergieanlagen produzieren den meisten Strom. Sollten die Stromnetze zu stark belastet sein, weil viel Strom von Norden nach Süden fließt, müssen im Süden die Reservekraftwerke einspringen.

Wie die Produktion aus erneuerbaren Energien schwankt

Stromproduktion aller Energieträger und Stromverbrauch in Deutschland im Jahresverlauf 2014

Erneuerbare Energien stellen bereits heute stundenweise einen Anteil von über 60 Prozent der deutschen Stromversorgung. Diese Werte werden in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Hierbei ergänzen sich die verschiedenen erneuerbaren Energien. Modellversuche haben gezeigt, dass sich die Produktion aus den jeweiligen Anlagen kombinieren lässt, und sie dann zusammen viel verlässlicher Strom liefern . In Phasen der „Dunkelflaute“, wenn weder die Sonne scheint noch der Wind weht, springen flexible konventionelle Kraftwerke ein. Vor allem Gaskraftwerke eignen sich dafür, aber auch Pumpspeicherkraftwerke und Bioenergieanlagen können schnell Strom liefern. Langfristig sollen solche Zeiten auch durch Speicher überbrückt werden.
Eine wichtige Rolle spielen die Stromverbraucher selbst. Sie können Anreize bekommen, eher dann Strom zu verbrauchen, wenn viel zur Verfügung steht, etwa in Starkwindzeiten. Großverbraucher wie Fabriken oder Kühlhäuser können so das Gesamtsystem spürbar entlasten.
Die große Aufgabe ist es, den Strommarkt neu so zu organisieren. Deutschland hat dazu einen Reformprozess begonnen und erste Schritte umgesetzt. Ein wichtiges Merkmal ist Flexibilität. Alle Akteure am Strommarkt müssen möglichst gut auf die schwankende Stromerzeugung von Wind und Sonne reagieren. Gleichzeitig braucht es Wettbewerb zwischen den verschiedenen Ausgleichsmöglichkeiten, um die Gesamtkosten niedrig zu halten. Nicht zuletzt führt das Zusammenwachsen der bislang getrennten regionalen Strommärkte in Europa und der grenzüberschreitende Netzausbau zu mehr Stabilität und Flexibilität auch in Deutschland.