Schön warm, erneuerbar und effizient

Der Erfolg der Energiewende hängt auch davon ab, ob der Energiebedarf für Heizung, Raumkühlung und Warmwasserbereitung in Gebäuden zurückgeht. Und davon, inwieweit erneuerbare Energien den verbleibenden Bedarf abdecken. Denn auf den Wärmesektor entfällt über die Hälfte des deutschen Energieverbrauchs. Nahezu zwei Drittel davon nutzen die rund 40 Millionen privaten Haushalte zum Heizen und für warmes Wasser.

Wärmeenergiebedarf senken

Energieziele beim gesamten Wärmeenergiebedarf

2.026 Petajoule

haben die rund 40 Millionen deutschen Haushalte im Jahr 2012 für Heizen und Warmwasser verbraucht

Deshalb möchte die Bundesregierung den Primärenergiebedarf an Öl und Gas in Gebäuden bis 2050 um 80 Prozent reduzieren. Dazu muss die Energieeffizienz von Gebäuden deutlich verbessert werden und der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärme- und Kälteversorgung steigen. Bis 2020 sollen Erneuerbare 14 Prozent des Wärme- und Kältebedarfs decken . Deutschland setzt so auch europäische Ziele um: Die aktuelle Gebäuderichtlinie der EU schreibt vor, dass ab dem Jahr 2021 alle Neubauten in Europa Niedrigstenergiehäuser sein müssen, also Gebäude mit einem sehr geringen Energieverbrauch.
Welches Einsparpotenzial in Gebäuden steckt, hat Deutschland früh erkannt. Bereits 1976 hat die damalige Bundesregierung als Folge der Ölkrise das erste Energieeinsparungsgesetz und anschließend die erste Wärmeschutzverordnung verabschiedet. Diese Vorschriften wurden kontinuierlich weiterentwickelt und an technische Fortschritte angepasst. Seit 2009 müssen nach dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz alle neuen Wohnbauten einen Mindestanteil des Energiebedarfs über erneuerbare Energien decken. Dies ist zum Beispiel möglich mit der Unterstützung einer Gas- oder Ölheizung über Solarthermie oder einem Heizsystem, das ausschließlich erneuerbare Energien nutzt, wie eine Wärmepumpe oder eine Pelletheizung.

So viel Energieverbrauch fällt in Gebäuden an

Anteil am gesamten Endenergieverbrauch in Deutschland

Neubauten verbrauchen nur ein Zehntel

Jährlicher Heizungsverbrauch in Litern Heizöl je Quadratmetern Wohnfläche für verschiedene Gebäudetypen

Von allen Wohngebäuden in Deutschland sind 70 Prozent älter als 35 Jahre. Sie stammen also aus der Zeit vor Verabschiedung der ersten Wärmeschutzverordnung. Entsprechend sind viele Gebäude nicht ausreichend gedämmt und werden häufig mit veralteten Kesseln und fossilen Energieträgern wie Öl oder Gas beheizt. Der Heizenergiebedarf eines durchschnittlichen deutschen Haushalts liegt bei rund 145 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr, das entspricht etwa 14,5 Litern Erdöl. Hocheffiziente Neubauten benötigen nur ein Zehntel davon. In bestehenden Gebäuden lässt sich der Primärenergiebedarf durch die energetische Sanierung und die Umstellung auf erneuerbare Energien um bis zu 80 Prozent reduzieren. Dazu braucht es eine bessere Dämmung der Gebäudehülle, die Erneuerung von Bauteilen, eine Modernisierung der Wärme- und Kälteversorgung und optimierte Steuerungstechnik. Allein im Jahr 2015 sind rund 53 Milliarden Euro in die energetische Sanierung investiert worden. Die Bundesregierung fördert diese Sanierungen mit zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Austausch veralteter Heizanlagen und dem Umstieg von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien. Beheizten die Deutschen im Jahr 1975 noch gut die Hälfte aller Wohnungen mit Öl, sind es heute weniger als ein Drittel. Von den rund 650.000 neuen Heizungsanlagen, die im Jahr 2013 eingebaut wurden, entfiel der überwiegende Anteil (77 Prozent) auf Erdgas und erneuerbare Energien (18 Prozent). Solarthermie-Anlagen, Biomasseheizungen oder Wärmepumpen, die Umgebungswärme nutzen, liefern bereits rund zwölf Prozent des Heizwärmebedarfs. Damit der Austausch schneller vorangeht, fördert die Bundesregierung seit 2000 die Heizungserneuerung.